Gestalttherapie

Die Gestalttherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode und eines der wichtigsten humanistischen Therapieverfahren.
Ausgehend von einem ganzheitlichen Weltbild, sieht die Gestalttherapie den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist, der sich in ständigem Kontakt mit seinem Umfeld befindet. Alle Bereiche gemeinsam bilden die Gestalt. Daher der Name “Gestalttherapie” .

Der Gestaltansatz geht davon aus, dass der Mensch das Potential zu einer vollständigen Gestalt in sich trägt. Er hat die Fähigkeit zur Selbstregulation und Selbstheilung und die innere Motivation zu wachsen und kreative Lösungen zu finden. Unerledigte Situationen, innere Konflikte und Traumata behindern jedoch die Entfaltung des eigenen Potentials, die Ganzheit der Gestalt und den Fluss der Lebensenergie.
Die Gestalttherapie ist somit ein ressourcen- und lösungsorientierter Ansatz, der zusätzlich zu den Behandlungen von Symptomen und Störungen mit Menschen arbeitet, die ihr eigenes Potential entdecken wollen. Symptome und psychische Störungen können heilen, weil Wachstum passiert.

Die Gestalttherapie will unerledigte Themen, so genannte “offene Gestalten” erlebbar machen. Dabei geht sie erlebnisorientiert und bewusstheitsfördernd vor indem experimentiert wird mit alten oder möglichen neuen Haltungen. Hierbei werden alle Bereiche der menschlichen Erfahrung mit einbezogen, Körper, Gefühle, Gedanken und Verhalten. Ausgehend von dem Hier und Jetzt der Erfahrung kann entdeckt werden, wie wir uns blockieren. Dadurch wird das aktuelle Leben, unter Einbeziehung von vergangenen Erfahrungen, verstehbar und frühe Störungen oder Traumata können bearbeitet werden. Erkenntnis ist wichtig, heilend wirken jedoch die neuen Erfahrungen.

Dabei wird der Klient in seiner Selbstverantwortung und Selbstbestimmung vom Therapeuten respektiert und geachtet und ist selbst als ein Gegenüber spürbar und verstehbar. In diesem therapeutischen Beziehungsfeld, das von Wärme, Echtheit, Wertschätzung und Gegenseitigkeit geprägt ist, steckt die Kraft der Veränderung.

Die Gestalttherapie ist von Fritz und Lore Perls gemeinsam mit Paul Goodman in den 50iger Jahren entwickelt worden. Ihre geistigen Wurzeln liegen in der Psychoanalyse, der Gestaltpsychologie, der Existenzphilosophie, dem dialogischen Prinzip Martin Bubers, der Phänomenologie und der Feldtheorie.

Literatur:

  • Stefan Blankertz: Gestalt begreifen
  • Anke und Erhard Doubrawa (Hg.): Meine Wildnis ist die Seele des Anderen, Der Weg zur Gestalttherapie
  • Claudio Naranjo: Gestalt
  • Laura Perls: Leben an der Grenze
  • Friedrich S.Perls: Was ist Gestalttherapie?
  • Frederick S.Perls: Das Ich, der Hunger und die Aggression
  • James S.Simkin: Gestalttherapie
  • Bruno-Paul de Roeck: Gras unter meinen Füssen
  • Daniel Rosenblatt: Türen öffnen